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Bisphenol- und Phthalat-Analysen | PPWR und 10/2011/EU

Einleitung: Die regulatorische Bedeutung von Bisphenolen und Phthalaten

Die chemische Sicherheit von Verpackungsmaterialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, wird durch die Verpackungsverordnung der Europäischen Union (PPWR) sowie durch eine Reihe spezifischer Vorschriften, allen voran die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 über Kunststoffmaterialien, streng geregelt. Zwei der wichtigsten Bestandteile dieses regulatorischen Rahmens sind die als Bisphenole und B Phthalate bekannten Stoffgruppen. Bisphenole sind Monomere, die insbesondere in Polycarbonat-Kunststoffen und Epoxidharzbeschichtungen verwendet werden, während Phthalate Weichmacher sind, die PVC-basierten Verpackungen Flexibilität verleihen. Beide Stoffgruppen wurden aufgrund ihrer endokrin wirksamen Eigenschaften (die sich negativ auf das Hormonsystem auswirken) intensiven toxikologischen Untersuchungen unterzogen, und für viele von ihnen wurden spezifische Migrationsgrenzwerte (SML) festgelegt, die ihre Migration in Lebensmittel begrenzen. Nano-Test Laboratorien führen Bisphenol- und Phthalat-Analysen unter vollständiger Einhaltung der GLP-Grundsätze mit validierten LC-MS/MS- und GC-MS/MS-Verfahren durch und bieten unseren Kunden Bewertungen zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sowie umfassende technische Beratung an.

Bisphenole: Chemische Struktur, regulatorischer Status und SML-Werte

Bisphenole sind synthetische organische Verbindungen, bei denen zwei Hydroxyphenylgruppen über ein Brückenatom oder eine Brückengruppe miteinander verbunden sind. Die bekannteste und am häufigsten verwendete Verbindung dieser Gruppe, Bisphenol A (BPA), wird als Monomer bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und als Ausgangsstoff bei der Synthese von Epoxidharzen eingesetzt. Nachdem jedoch die endokrin wirksamen Eigenschaften von BPA wissenschaftlich nachgewiesen wurden, wurden die Beschränkungen für die Verwendung von BPA in der Europäischen Union zunehmend verschärft. Dies hat die Hersteller dazu veranlasst, anstelle von BPA strukturell ähnliche Alternativverbindungen (BPS, BPF, BPAF usw.) einzusetzen; die Befürchtung, dass auch diese Alternativen ähnliche toxikologische Profile aufweisen könnten, hat jedoch dazu geführt, dass die Aufsichtsbehörden auch diese Verbindungen in den Überwachungsumfang aufgenommen haben.

Die wichtigsten regulierten Bisphenole und ihre SML-Werte

Die folgende Tabelle fasst die in Verpackungsmaterialien am häufigsten vorkommenden Bisphenolverbindungen, ihre chemische Struktur, ihren regulatorischen Status und die aktuellen SML-Werte zusammen:

VerbindungAbkürzung / CAS-Nr.SML (mg/kg Lebensmittel oder Simulans)Regulatorischer StatusTypischer Anwendungsbereich
Bisphenol ABPA / 80-05-70,05unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; in Babyflaschen verboten; in der EU im Prozess eines vollständigen Verbots für den Kontakt mit Lebensmitteln;
in REACH Anhang XVII beschränkt; auf der SVHC-Kandidatenliste (endokriner Disruptor)
Polycarbonat-Kunststoffe, Epoxidharz-Beschichtungen, Innenbeschichtungen von Konservendosen
Bisphenol SBPS / 80-09 -10,05Unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; wird zunehmend als BPA-Alternative eingesetzt; toxikologische Untersuchung läuft nochBPA-Alternative; Thermopapierbeschichtungen, Sulfonpolymere, Epoxidharze
Bisphenol FBPF / 620-92-8Unter BeobachtungUnterliegt gemäß 10/2011/EU noch keinem SML; auf der Überwachungsliste der EFSA; BPA-AlternativeEpoxidharze, Beschichtungen, Klebstoffe
Bisphenol AFBPAF / 1478-61-1Unterliegt der ÜberwachungWird in fluorierten Polymeren verwendet; BPA-Alternative; behördliche Prüfung läuft nochHerstellung von Fluorpolymeren, Spezialbeschichtungen

Hinweis: Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem Entwurf für ein Verbot der Verwendung von BPA in allen Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Nano-Test verfolgt diese regulatorischen Entwicklungen aufmerksam und informiert seine Kunden proaktiv.

Phthalate: Regulatorischer Rahmen für Weichmacher

Phthalate (Phthalsäureester) sind Weichmacher, die insbesondere in Verpackungsmaterialien auf Polyvinylchlorid (PVC)-Basis eingesetzt werden, um diesen Flexibilität und Verarbeitbarkeit zu verleihen. Da sie nicht kovalent an PVC gebunden sind, können sie im Laufe der Zeit an die Oberfläche wandern (Migration) und von dort in Lebensmittel übergehen. Ein Teil der Phthalate wird als endokrin wirksame Stoffe und als reproduktionstoxische Stoffe eingestuft, weshalb ihre Verwendung in Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, streng eingeschränkt ist. Für Phthalate mit niedrigem Molekulargewicht (wie DBP, BBP, DEHP) gelten im Rahmen der REACH-Verordnung ebenfalls weitreichende Beschränkungen.

Die wichtigsten regulierten Phthalate und SML-Werte

Die folgende Tabelle fasst die in Verpackungsmaterialien am häufigsten vorkommenden Phthalatverbindungen, ihre chemische Struktur und die SML-Werte gemäß der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 zusammen:

VerbindungAbkürzung / CAS-Nr.SML (mg/kg Lebensmittel oder Simulans)Regulatorischer StatusTypischer Anwendungsbereich
Di (2-Ethylhexyl)phthalatDEHP / 117-81-71,5unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; REACH Anhang XIV (zulassungspflichtig); auf der SVHC-Kandidatenliste; in Spielzeug verbotenPVC-Weichmacher; Dichtungen, Verschlüsse, flexible Folien, Medizinprodukte
DibutylphthalatDBP / 84-74-20,3Unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; REACH Anhang XIV; auf der SVHC-Kandidatenliste; in Kosmetika verbotenKlebstoffe, Druckfarben, PVC-Folien, Beschichtungen
ButylbenzylphthalatBBP / 85-68-730Unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; REACH Anhang XIV; auf der SVHC-KandidatenlisteVinylbeschichtungen, Druckfarben, Laminierklebstoffe
Di-isononylphthalatDINP / 28553 -12-09 (als Summe aus DINP und DIDP)Unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; in Kinderprodukten eingeschränktPVC-Weichmacher; flexible Verpackungen, Dichtungen, Verschlüsse
Di-isodesylphthalatDIDP / 26761-40-09 (als Summe aus DINP und DIDP)unterliegt dem SML gemäß 10/2011/EU; in Kinderprodukten eingeschränktPVC-Weichmacher; flexible Verpackungen, Dichtungen
Di-n-octylphthalatDNOP / 117-84-05 (als Summe aus DNOP und DNP)10/ 2011/EU unterliegt dem SMLPVC-Weichmacher; spezielle Anwendungen

Hinweis: In der aktuellen konsolidierten Fassung der Verordnung 10/2011/EU sind die SML-Werte für DEHP, DBP, BBP und DINP auf der Basis der jeweiligen spezifischen Stoffe festgelegt. Zudem müssen kombinierte Konformitätskriterien für die Gesamtsumme dieser Phthalate (z. B. die Summe aus DEHP + DBP + BBP) berücksichtigt werden.

Analytische Methodik im Nano-Test-Labor

Im Nano-Test-Labor werden Bisphenol- und Phthalat-Analysen mit analytischen Methoden durchgeführt, die entsprechend den chemischen Eigenschaften der Zielsubstanz optimiert, validiert und vollständig mit den GLP-Grundsätzen konform sind.

Auswahl der analytischen Plattform und Methodenvergleich

Die folgende Tabelle bietet einen Vergleich der wichtigsten analytischen Plattformen, die bei Bisphenol- und Phthalat-Analysen zum Einsatz kommen, sowie ihrer Anwendungsbereiche:

Analytische PlattformTechnische EigenschaftenZielverbindungenVorteile
LC-MS/MS (QQQ)Dreifach-Quadrupol; ESI-Ionisierung; MRM-Modus; hohe Selektivität und EmpfindlichkeitBisphenole (BPA, BPS, BPF, BPAF und andere Analoga); polare Phthalat-MetabolitenIdeal für polare und mäßig polare Verbindungen; niedrige LOQ-Werte (im ppb-Bereich); keine Derivatisierung erforderlich
GC-MS/MS (QQQ)Dreifach-Quadrupol; EI-Ionisierung; MRM-Modus; hohe chromatographische TrennschärfePhthalate (DEHP, DBP, BBP, DINP, DIDP, DNOP); niedrigpolare VerbindungenReferenzmethode für flüchtige und halbflüchtige Verbindungen; umfangreiche Bibliotheksunterstützung; Isomerentrennung möglich
HPLC-DAD / UV-VisFotodiodenarray-Detektor; geeignet für Verbindungen mit chromophoren GruppenSpezifische Bisphenole; Proben mit hoher KonzentrationEinfaches und schnelles Screening; kosteneffizient; geeignet für das Vorscreening

Analytischer Arbeitsablauf: Vom Migrationsversuch zur quantitativen Bestimmung

Die folgende Tabelle beschreibt detailliert den End-to-End-Arbeitsablauf für Bisphenol- und Phthalat-Analysen im Nano-Test-Labor:

SchrittVorgangTechnische Details
1. VersuchsaufbauFestlegung der Simulanz und der TestbedingungenEntsprechend dem vom Kunden angegebenen Anwendungsszenario werden geeignete Lebensmittelsimulanzien und Testbedingungen gemäß Anhang III und V der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 ausgewählt. Für Bisphenole und Phthalate werden in der Regel Simulan D1 (50 % Ethanol) oder Simulan D2 (Pflanzenöl) verwendet.
2. MigrationsversuchKontrollierter KontaktDie Verpackungsprobe wird unter Verwendung von Standard-Kontaktzellen oder mittels Eintauchverfahren mit dem ausgewählten Simulans bei festgelegter Temperatur und über einen festgelegten Zeitraum in Kontakt gebracht. Die Kontaktbedingungen werden in kalibrierten Trockenschränken kontinuierlich überwacht.
3. Extraktion und ProbenvorbereitungIsolierung der ZielanalytenFlüssig-Flüssig-Extraktion oder SPE (Festphasenextraktion) für wässrige Simulanzien; geeignete Lösungsmittelextraktion und Aufreinigung für das ölige Simulans D2. Durch Zugabe von internen Standards (wie isotopenmarkiertes BPA-d16, DEHP-d4) werden Matrixeffekte korrigiert.
4. Instrumentelle AnalyseQuantitative Bestimmung mittels LC-MS/MS oder GC-MS/MSBisphenole werden mittels LC-MS/MS analysiert; Phthalate mittels GC-MS/MS. Für jede Zielverbindung werden zwei MRM-Transite (quantitativ und zur Bestätigung) verfolgt. Die LOQ-Werte wurden so validiert, dass sie mindestens ein Zehntel der SML-Grenzwerte betragen.
5. Auswertung und BerichterstattungVergleich mit dem SML und KonformitätserklärungDie erhaltenen quantitativen Ergebnisse werden mit dem gesetzlichen SML-Wert der jeweiligen Substanz verglichen. In Fällen, in denen kombinierte Grenzwerte gelten (z. B. Summe aus DINP und DIDP), werden auch die Gesamtwerte berechnet. Es wird ein GLP-konformer, umfassender Analysebericht erstellt.

Das integrierte Dienstleistungsmodell von Nano-Test für Bisphenol- und Phthalat-Analysen

Als Nano-Test Labor Services bieten wir Bisphenol- und Phthalat-Analysen nicht als Einzeluntersuchungen an, sondern als integralen Bestandteil des PPWR- und 10/2011/EU-Konformitätsprozesses. Unser Dienstleistungsmodell basiert auf den folgenden vier Grundpfeilern:

DienstleistungspfeilerUmfangVorteile für den Kunden
Regulatorische BeratungErmittlung, welche Bisphenol- und Phthalatverbindungen entsprechend der Produktzusammensetzung und den Verwendungsbedingungen analysiert werden müssen; Auswahl der richtigen Simulations- und TestbedingungenKostenoptimierung durch die richtige Teststrategie; Vermeidung fehlender oder unnötiger Analysen
Analytische PrüfdienstleistungenQuantitative Bestimmung mittels GLP-konformer, validierter LC-MS/MS- und GC-MS/MS-MethodenVon den Aufsichtsbehörden akzeptierte, vertretbare und rückverfolgbare analytische Daten
KonformitätsbewertungErstellung einer Konformitäts- bzw. Nichtkonformitätserklärung durch Vergleich der Ergebnisse mit SML-Werten und kombinierten GrenzwertenEine klare und verbindliche Bewertung des rechtlichen Status des Produkts
Unterstützung bei der technischen DokumentationBereitstellung umfassender Analyseberichte, die für behördliche Anträge geeignet sind, sowie der für die Konformitätserklärung (DoC) erforderlichen DatenUnterstützung des Kunden bei der vollständigen und korrekten Erstellung seiner eigenen Konformitätserklärung

Im Falle einer Grenzwertüberschreitung oder Nichtkonformität bietet das Fachteam von Nano-Test seinen Kunden auch technische Beratung bei der Ursachenanalyse zur Ermittlung der Problemquelle sowie bei der Planung von Korrekturmaßnahmen an. Da Bisphenol- und Phthalat-Kontaminationen in der Regel auf einen bestimmten Rohstoff oder Zusatzstoff in der Lieferkette zurückzuführen sind, ist die korrekte Identifizierung der Quelle von entscheidender Bedeutung für eine dauerhafte Lösung des Problems.

Um die Bisphenol- und Phthalat-Konformität Ihrer Verpackungen, die Sie auf den europäischen Markt exportieren, gemäß PPWR und 10/2011/EU sicherzustellen und Ihre Analysen mit einem zuverlässigen und erfahrenen Partner durchzuführen, können Sie sich an unser Expertenteam wenden, um detaillierte Informationen über die akkreditierten Labordienstleistungen und die technische Beratung von Nano-Test zu erhalten.

Einleitung: Das NIAS-Konzept und der regulatorische Kontext

Die Gewährleistung der chemischen Sicherheit von Verpackungsmaterialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, beschränkt sich nicht nur auf die Kontrolle von Stoffen, die während des Herstellungsprozesses absichtlich zugesetzt werden (Intentionally Added Substances – IAS). Artikel 3 der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 der Europäischen Union und die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 über Kunststoffmaterialien verpflichten die Hersteller, unbeabsichtigt zugesetzte Stoffe (Non-Intentionally Added Substances – NIAS) zu ermitteln und eine Risikobewertung durchzuführen. NIAS können aus Verunreinigungen in den Ausgangsstoffen, aus während der Produktion entstehenden Reaktionsnebenprodukten, Abbauprodukten oder Umweltkontaminanten stammen. Mit der Einführung der PPWR ist diese Verpflichtung noch deutlicher geworden, sodass Verpackungshersteller die NIAS-Bewertung mit einem systematischen Ansatz angehen müssen. Nano-Test Labor Services bieten im Bereich der NIAS-Bewertung ein umfassendes und GLP-konformes Dienstleistungsportfolio an, das von Screening- und Identifizierungsuntersuchungen mit fortschrittlichen Analysetechniken bis hin zur toxikologischen Risikobewertung reicht.

Definition, Quellen und Klassifizierung von NIAS

NIAS ist ein weit gefasster Begriff, der alle chemischen Stoffe umfasst, die nicht absichtlich der Rezeptur eines Verpackungsmaterials zugesetzt wurden, aber im Endprodukt vorkommen können. Die Quellen dieser Stoffe sind vielfältig und können während des gesamten Lebenszyklus der Verpackung entstehen. Ein korrektes Verständnis von NIAS ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung einer wirksamen Analysestrategie und die Durchführung einer Risikobewertung.

Klassifizierung der NIAS-Quellen

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Entstehungsmechanismen, Quellen und typische Beispiele für jede Quelle systematisch zusammen:

NIAS-QuelleEntstehungsmechanismusTypische NIAS-Beispiele
Verunreinigungen in den AusgangsstoffenRückstände aus dem Herstellungsprozess von Monomeren, Additive oder Rückstände von Lösungsmitteln, die aus dem Produktionsprozess stammenMonomerisomere, Lösungsmittelrückstände, Katalysatorrückstände, Verunreinigungen in Chemikalien technischer Qualität
ReaktionsnebenprodukteUnerwünschte Verbindungen, die während der Polymerisation, Vernetzungs- oder Aushärtungsreaktionen entstehende unerwünschte VerbindungenOligomere (Dimere, Trimere), Polymerisationsnebenprodukte, Zersetzungsprodukte
ZersetzungsprodukteThermische, photochemischen oder hydrolytischen Zersetzung des Polymers oder der AdditiveZersetzungsprodukte von Antioxidantien, Zersetzungsprodukte von UV-Stabilisatoren, Depolymerisationsoligomere
Verunreinigungen aus dem Recycling</ strong>Fremdstoffe, die in das recycelte Rohmaterial gelangen, oder Rückstände aus der vorherigen VerwendungDruckfarbenbestandteile, Klebstoffrückstände, Rückstände früherer Produkte, MOSH/MOAH
UmweltkontaminantenStoffe, die während der Herstellung, Lagerung oder beim Transport aus der Umwelt auftretende StoffePAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), PCB, Pestizidrückstände

Hinweis: Der Umfang der NIAS-Bewertung wird je nach Fall auf der Grundlage der Zusammensetzung des Verpackungsmaterials, des Herstellungsprozesses und der vorgesehenen Verwendungsbedingungen festgelegt. Die von der EFSA veröffentlichten Leitfäden bieten den grundlegenden methodischen Rahmen für die NIAS-Bewertung.

Analytische Strategie bei der NIAS-Bewertung

Die NIAS-Bewertung stellt aufgrund der Notwendigkeit, eine Vielzahl bekannter und unbekannter Stoffe gleichzeitig zu screenen und zu identifizieren, einen der komplexesten Bereiche der analytischen Chemie dar. Im Nano-Test-Labor wird die NIAS-Bewertung anhand des folgenden mehrstufigen und systematischen Ansatzes durchgeführt.

Stufenweise NIAS-Bewertungsstrategie

Der von Nano-Test angewandte NIAS-Bewertungsprozess besteht aus vier Hauptphasen, die in der folgenden Tabelle zusammengefasst sind:

PhaseSchrittErläuterung
1. Vorabbewertung und DatenerfassungPrüfung der Informationen zur Formulierung und zum HerstellungsprozessTheoretische Ermittlung aller verwendeten Ausgangsstoffe, Zusatzstoffe, Produktionsparameter und potenziellen NIAS-Quellen (Verunreinigungen, Reaktionsnebenprodukte, Zersetzungsprodukte). In dieser Phase werden auch die vom Kunden bereitgestellten Lieferantenerklärungen und Sicherheitsdatenblätter (SDS) ausgewertet.
2. Nicht zielgerichtetes Screening (Non-Targeted Screening)Umfassendes Screening mittels hochauflösender Massenspektrometrie (HRMS)Der nach einem geeigneten Extraktions- und/oder Migrationstest gewonnene Extrakt wird mit LC-QTOF-MS- und GC-QTOF-MS-Systemen analysiert. Die gewonnenen Daten werden mit fortschrittlicher Datenverarbeitungssoftware ausgewertet, um einen Bibliotheksabgleich durchzuführen und unbekannte Peaks zu identifizieren.
3. Identifizierung und semiquantitative BestimmungStrukturelle Aufklärung der identifizierten NIAS-KandidatenDie strukturelle Charakterisierung unbekannter Verbindungen erfolgt anhand der aus den HRMS-Daten gewonnenen genauen Masse, der Isotopenverteilung und der MS/MS-Fragmentierungsmuster. Soweit möglich, erfolgt die Validierung anhand von Referenzstandards. Die semiquantitative Schätzung erfolgt anhand eines auf internen Standards oder strukturellen Analoga basierenden Ansatzes.
4. Toxikologische RisikobewertungBewertung der identifizierten NIAS im Hinblick auf die LebensmittelsicherheitFür jeden identifizierten NIAS wird eine Risikobewertung unter Verwendung des „Threshold of Toxicological Concern“ (TTC)-Ansatzes der EFSA oder substanzspezifischer toxikologischer Daten durchgeführt. Die Cramer-Klassifizierung und Genotoxizitätswarnungen (QSAR) werden berücksichtigt.

Nano-Test NIAS-Analyseplattformen

Die wichtigsten analytischen Plattformen, die im Nano-Test-Labor für die NIAS-Bewertung verwendet werden, sowie ihre spezifischen Rollen bei der NIAS-Analyse sind in der folgenden Tabelle vergleichend dargestellt:

Analytische PlattformTechnische EigenschaftenRolle bei der NIAS-AnalyseZielverbundprofil
LC-QTOF-MSHohe Auflösung (≥30.000 FWHM), hohe Massengenauigkeit (±3 ppm), MS/MS-FragmentierungZielfreies Screening und Identifizierung polarer und mäßig polarer NIASOligomere, Abbauprodukte, Antioxidantien und deren Metaboliten, Weichmacher, Gleitmittel
GC-QTOF-MSHohe Auflösung, EI- und CI-Ionisation, umfangreiche Bibliothek (NIST, Wiley)Targets freies Screening und Identifizierung von flüchtigen und halbflüchtigen NIASFlüchtige organische Verbindungen (VOCs), Oligomere mit niedrigem Molekulargewicht, Lösungsmittelrückstände
LC-MS/MS (QQQ)Triple-Quadrupol, MRM-Modus, hohe Selektivität und EmpfindlichkeitGezielte quantitative Bestimmung und Validierung identifizierter NIASSpezifische NIAS-Verbindungen (BPA, Phthalate, PAA usw.)
Headspace-GC-MSHeadspace-Probenahme, für flüchtige Verbindungen optimiertScreening und Quantifizierung flüchtiger NIASRestmonomere (Styrol, Butadien), Lösungsmittel, flüchtige Abbauprodukte

Toxikologische Risikobewertung und TTC-Ansatz

Das letztendliche Ziel der NIAS-Bewertung ist es, festzustellen, ob die identifizierten Stoffe ein Risiko für die Verbrauchergesundheit darstellen. Der von der EFSA verabschiedete „Threshold of Toxicological Concern“ (TTC)-Ansatz bietet ein wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Risikobewertung für Stoffe, deren Struktur bekannt ist, für die jedoch nur begrenzte toxikologische Daten vorliegen.

Nano-Test wendet in dieser entscheidenden Phase der NIAS-Bewertung den folgenden systematischen Ansatz an:

Cramer-Klassifizierung und TTC-Schwellenwerte

Die folgende Tabelle fasst das toxikologische Potenzial der Stoffe gemäß dem Cramer-Klassifizierungssystem und die entsprechenden TTC-Schwellenwerte zusammen:

Cramer-KlasseToxizitätspotenzialTTC-Schwellenwert (μg/kg Körpergewicht/Tag)Typische chemische Strukturen
Klasse IGeringes Toxizitätspotenzial30Einfache aliphatische Kohlenwasserstoffe, normale Stoffwechselprodukte
Klasse IIMittleres Toxizitätspotenzial9Verbindungen mit funktionellen Gruppen ohne aromatische Ringe, Ester, Ether
Klasse IIIHohes Toxizitätspotenzial1, 5Aromatische Verbindungen, heterocyclische Strukturen, konjugierte Systeme
Genotoxische StoffeVerdacht auf DNA-reaktive Genotoxizität0,0025 (für ein lebenslanges Krebsrisiko von 1:10⁵)Aflatoxin-ähnliche Strukturen, N-Nitrosoverbindungen, DNA-Interkalatoren

Hinweis: Die EFSA empfiehlt nicht die Anwendung des TTC-Ansatzes für genotoxische Karzinogene. Für solche Stoffe ist die Minimierung der Exposition (ALARA-Prinzip) von grundlegender Bedeutung. Darüber hinaus ist der TTC-Ansatz für Stoffgruppen mit potenziell neurotoxischer Wirkung, wie Organophosphate und Carbamate, möglicherweise nicht geeignet.

Der integrierte NIAS-Bewertungsservice von Nano-Test

Als Nano-Test Labor Services bieten wir die NIAS-Bewertung mit einem multidisziplinären und integrierten Ansatz an. Unser Dienstleistungsmodell besteht aus den in der folgenden Tabelle zusammengefassten Komponenten:

Die NIAS-Bewertung ist nicht nur ein analytischer Test, sondern ein vielschichtiger Prozess, der fundiertes chemisches und toxikologisches Fachwissen erfordert. Als Nano-Test handeln wir in jeder Phase dieses Prozesses im Einklang mit den GLP-Grundsätzen, wissenschaftlicher Sorgfalt und einem kundenorientierten Beratungsansatz.Um die NIAS-Konformität Ihrer Verpackungen, die Sie auf den europäischen Markt exportieren, im Rahmen der PPWR und der entsprechenden EU-Vorschriften sicherzustellen und Ihre Screening- sowie Risikobewertungsprozesse mit einem zuverlässigen Partner durchzuführen, können Sie sich an unser Expertenteam wenden, um detaillierte Informationen zu den NIAS-Bewertungsdienstleistungen von Nano-Test zu erhalten.

 

LeistungskomponenteUmfangNutzen für den Kunden
   
Formulierungs- und ProzessanalyseDetaillierte Untersuchung der verwendeten Rohstoffe, Zusatzstoffe und des Produktionsprozesses; theoretische Kartierung potenzieller NIAS-QuellenKorrekte Ausarbeitung der Analysestrategie, Vermeidung unnötiger Analysen
Unzielgerichtetes Screening (HRMS)Umfassendes, zielfreies chemisches Screening mittels LC-QTOF-MS und GC-QTOF-MSNachweis unerwarteter Kontaminanten und unbekannter NIAS
Strukturaufklärung und HalbquantifizierungStrukturelle Charakterisierung auf Basis von HRMS-Daten und halbquantitative Schätzung anhand interner StandardsZuverlässige Identifizierung unbekannter Peaks und Bestimmung ihrer ungefähren Konzentrationen
Toxikologische RisikobewertungUmfassende Risikobewertung unter Verwendung des TTC-Ansatzes, der Cramer-Klassifizierung und der QSAR-Toxizitätsvorhersage (in silico)Wissenschaftlich fundierte Bewertung des Lebensmittelsicherheitsrisikos der identifizierten NIAS
Bericht zur Einhaltung regulatorischer AnforderungenUmfassender Bericht für die DoC (Konformitätserklärung), der alle analytischen Ergebnisse und die Risikobewertung enthältVollständige Dokumentation für behördliche Anträge und Kundenaudits

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