Eine neue Ära in der Immuntherapie und Allergiediagnostik beginnt
Der Leitfaden mit dem Titel „Allergen Products Development for Immunotherapy and Allergy Diagnosis in Moderate to Low Sized Study Populations” (Entwicklung allergenhaltiger Produkte für die Immuntherapie und Allergiediagnostik in Studien mit mittlerer bis geringer Teilnehmerzahl) wurde von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) veröffentlicht und tritt am 1. Januar 2026 in Kraft. Er wurde speziell für Allergietypen mit einer begrenzten Anzahl von Patienten erstellt. Die Bedeutung, den Umfang und die Details dieses Leitfadens werden wir in unserem Blogbeitrag vorstellen.
Welche Neuerungen bringt dieser Leitfaden, der Forschern und Herstellern flexible regulatorische Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Diagnostika und Immuntherapieprodukten bietet? Hier sind die wichtigsten Punkte…
1. Flexibler Ansatz für Allergietypen mit geringer Patientenzahl
Die Schwierigkeit der klinischen Forschung bei bestimmten Allergietypen ist der Ausgangspunkt für diese Leitlinie. Die Hauptursache für die Leitlinie ist die Schwierigkeit, genügend Patienten für Studien zu seltenen Insektengiftallergien oder bestimmten Nahrungsmittelallergien zu finden.
Die EMA räumt jedoch ein, dass es in solchen Fällen alternative Wege geben kann.
Die in den Leitlinien aufgeführten allergene Produkte umfassen:
- Betroffenes Organsystem (z. B. obere und untere Atemwege, Augen, Haut, Beteiligung mehrerer Organe (systemische Reaktion)),
- Allagenquelle (z. B. Pollen, Milben, Tierhaare, Schimmelpilze, Insektengifte, Lebensmittel, Chemikalien),
- Allagenprodukt (z. B. Extrakte, gereinigte Allergene, modifizierte Allergene, adsorbierte Allergene)
- unabhängig von der Art der Anwendung (z. B. subkutan, sublingual, oral, perkutan) Allergenprodukte für die Allergen-Immuntherapie bei Typ-I-Allergien und für die Diagnose von Typ-I- und Typ-IV-Allergien
2. Rechtliche Grundlage und richtige Beratungsstrategie
Bei der Veröffentlichung wurde die alleinige Anwendung als nicht ausreichend erachtet. Die Bewertung in Verbindung mit anderen EMA-, CHMP- und ICH-Leitlinien erleichtert die Erzielung von Ergebnissen. Für Hersteller und Forscher ist es wichtig, in einem frühen Stadium der Arbeiten mit den Regulierungsbehörden in Kontakt zu treten, um die Entwicklungsstrategie zu klären.
Die relevanten Leitlinien sind:
- Leitlinie für klinische Studien in kleinen Populationen – CHMP/EWP/83561/2005
- Leitlinie zu fehlenden Daten in bestätigenden klinischen Studien – EMA/CPMP/EWP/1776/99 Rev. 1
- Leitlinie zur Anpassung der Ausgangswerte in klinischen Studien – EMA/CHMP/295050/2013
- Leitlinie zu statistischen Grundsätzen für klinische Studien – CPMP/ICH/363/96
- ICH E9 (R1) – Anhang zur Leitlinie zu statistischen Grundsätzen für klinische Studien: Schätzungen und Sensitivitätsanalysen in klinischen Studien – EMA/CHMP/ICH/436221/2017
- Leitlinien zur Auswahl der Kontrollgruppe in klinischen Studien – CPMP/ICH/364/96 • Leitlinien zur klinischen Bewertung von Diagnostika – CPMP/EWP/1119/98/Rev. 1
- Leitlinie zur klinischen Entwicklung spezifischer Immuntherapieprodukte zur Behandlung allergischer Erkrankungen – CHMP/EWP/18504/2006
- Leitlinie zu Allergenprodukten: Leitlinie zu Herstellungs- und Qualitätsfragen – EMEA/CHMP/BWP/304831/2007
- • Leitlinie zur Prozessvalidierung für Fertigarzneimittel – Informationen und Daten, die in Zulassungsanträgen vorzulegen sind – EMA/CHMP/CVMP/BWP/70278/2012-Rev1, Corr.1
- Empfehlungen für gemeinsame regulatorische Ansätze für allergene Produkte – CMDh/399/2019
3. Flexibilität bei Qualitäts- und nichtklinischen Studien
Die in den Leitlinien enthaltenen Allergenkategorien sind wie folgt.
- Allergene für diagnostische Zwecke in In-vivo-Tests: Typ I (Pricktest, Provokationstest, intradermaler/intrakutaner Test) und Typ IV (epikutaner Patch-Test)
- Allergen-Immuntherapien – AIT (inhalative Allergene, Insektengiftallergene, Nahrungsmittelallergene).
Wenn in diesen Kategorien keine Standard-Labortests oder umfassende nichtklinische Studien durchgeführt werden können, können laut Leitfaden alternative Methoden wie Literaturrecherchen und Expertenmeinungen akzeptiert werden. Dieser Ansatz soll dazu beitragen, den Entwicklungsprozess in kleinen Populationen zu beschleunigen.
4. Verwendung alternativer Datenquellen
In allergologischen Studien mit geringer Patientenzahl können retrospektive Daten, Fallberichte und die Verwendung von Produkten für „benannte Patienten” als unterstützende Daten herangezogen werden. Der Leitfaden betont, dass alternative Metriken wie PR (Positivitätsrate) und RI (Reaktionsindex) bei der Beurteilung der diagnostischen Genauigkeit eine Rolle spielen.
Mit diesem Leitfaden der EMA wird eine neue Regelung für Allergenproduktstudien mit einer geringen Anzahl von Patienten eingeführt. Dank flexibler Datenquellen, alternativer klinischer Designs und Anpassungen in den Qualitätsprozessen wird die Entwicklung von Diagnose- und Behandlungsoptionen für seltene Allergietypen erleichtert.
Ausführliche Informationen finden Sie in den Leitlinien unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/scientific-guideline/guideline-allergen-products-development-immunotherapy-allergy-diagnosis-moderate-lowsized-study-populations_en.pdf


